Ein paar Erinnerungen zur Kulturfahrt der 3. TT-Mannschaft der DJK Fürth
nach
Český Krumlov vom 15. – 17 Juli 2005
von Peter Herbrich
Nach einer längeren Anreise kamen wir endlich in Český Krumlov an und mussten uns zum Hotel Barbora in der Široka 89 mit etwas Mühe durchfragen. Leider konnten wir nicht im Haupthaus (Bild 1) wohnen, sondern bekamen alle Zimmer im nahe gelegenen Nebenhaus in der Altstadt (Bild 39). Übrigens ist dieses Haupthaus mittelalterlichen Ursprungs; seine Bewohner sind mindestens seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Nach einer kleinen abendlichen Begehung der Stadt mussten wir in eine Gaststätte, um uns für den Samstag fit zu machen. (Bild 1a,b,c).
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Die Stadtführung begann um 10.00 Uhr am Samstagmorgen und führte uns in die Geschichte der Stadt Český Krumlov bzw. Krumau (auch Krummau) ein.
Zunächst besahen wir die alten Häuser, die in Richtung Marktplatz und St. Veit führten.
Besonders interessant war das Haus (Bild 2) mit der bemalten Renaissance-Westfront, das auf das 14. Jh. zurückgeht und 1580 im Renaissancestil umgebaut wurde. Die dabei berichteten Legenden um den Hausbesitzer, der eine viel ältere Besitzerin heiratete, um an das Haus und ihr Geld zu kommen, und die besonders lange lebte und ihm das Leben mit ihren Gemeinheiten vergällte, sind zwar schön, aber geschichtlich leider nicht wahr. Heute enthält es ein Fischrestaurant.
Der Weg führte uns hinauf zur Kirche St. Veit, die allerdings zunächst wegen einer Tauffeier nicht besucht werden konnte. Daher gingen wir weiter in den Innenhof der ehemaligen Prälatur (Bild 3), die bereits im 14. Jh. gegründet und später dreimal umgebaut wurde (Spätgotik, Renaissance [1576], Rokoko). Die Gebäude sind mehrmals abgebrannt, da drinnen auch eine Brauerei für die Prälatur gegründet wurde (Befeuerung!). Heute enthält sie u.a. die Stadtbibliothek.
In der Gasse „Horní ulice“ (horní = oberes, wegen des 1839 abgerissenen oberen (!) Stadttores) verbirgt sich nach der vorne rechts noch einmal erscheinenden Prälatur das ehemalige Jesuitenkolleg (Bild 4), heute das Hotel Ruže [wg. der Rosenbergschen Rose].
Schließlich kehrten wir zur Veitskirche zurück und konnten sie auch innen anschauen (Bild 4a). Ihr gotisches Rippengewölbe erinnert (mit viel Phantasie) ein wenig an die Parlerschen Rippen des Veitsdomes in Prag.
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Gegenüber dem Innenhof des Hotels Ruže hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadt (Bilder 5, 6). Vor dem Schlossturm erblickt man noch den Turm der ehemalige St. Jost-Kirche Bild 7), die im ersten Drittel des 14. Jh. von Peter I. von Rosenberg erbaut, 1765 barock umgestaltet und 1787 aufgehoben wurde.
Am gegenüberliegenden Moldauufer erkennt man die Gebäude der Brauerei Eggenberg (Bild 8), die aus einem im Jahr 1625 umgebauten Zeughaus der Rosenbergs entstanden ist. Übrigens ist die Bierbraukunst in Krumau bereits seit 1336 urkundlich bezeugt! Eggenberger Bier wird seit 1630 gebraut, nachdem sie die Gebäude 1622 erworben hatten. Heute werden dort fünf Biersorten gebraut.
Auf Bild 9 spitzt in der Horní ulice rechts das Stadtmuseum hervor, ein ehemaliges frühbarockes Jesuitenseminar, erbaut 1650-52. Links (das Haus mit der Rose) das ehemalige Jesuitentheater; heute zum Hotel Ruže gehörig. Da es auch Platz für jungen Priesternachwuchs geben musste, wurde in den Jahren 1514-1525 von dem Rosenberger Kanzler und Gebildeten Václav z Rovného die Kaplanei als Wohnung für die Krummauer Kapläne gegründet, und gehörte zur Veitskirche (Bild 10).
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Unsere Gruppe kehrte zum Marktplatz (Bild 11) mit der Mariensäule (erbaut 1682 vom Bildhauer M.V. Jäckel, als Dank der Bürger dieser Stadt für die Errettung vor der Pest) zurück, die mit Statuen der Heiligen Judas Thaddäus und Rochus (=Pestheiliger) ausgeschmückt ist. Sehenswert dort auch das Rathaus (urspr. aus dem 13. Jh., nach mehreren Umbauten nun in eher italienischem Flair) mit seinem „Tortur-Museum“ (Bild 12). Es ist ein einstöckiges Renaissance-Eckgebäude, bei dem im oberen Teil die Stirnwand mit einer hohen Attika mit zwei Bändern von Halbpfeilern und Kegeln mit Rokokovasen aus gebranntem Ton endet. In der linken Oberecke gibt es eine kleine Glocke, an der Wand befinden sich vier Stuckwappen.
Auf dem weiteren Weg immer wieder herrliche Blicke zum Schlossturm (Bild 13).
Die Hitze ließ uns in einem Kaffeehaus bzw. in einer Bar eine kurze Rast einlegen (Bild 15). Interessant war, dass darin Künstler an ihren Objekten arbeiteten. Ein Holzbildhauer belegte z.B. den ehemaligen Schweinstall mit einem Holzschwein (Bild 14) und arbeitete an einer weiteren Skulptur.
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Langsam näherten wir uns dann dem Burgeingang, vorbei an vielen interessanten Häusern (auch an dem, das Egon Schiele bewohnt hatte). Ein schönes Beipiel direkt gegenüber dem Burgeingang ist das Renaissance-Haus Latrán Nr. 53, das gotischen Ursprungs ist und dessen Arkaden den gemalten Zyklus „Lauf des Lebens“ (vom Knaben bis zum Alten und zum Tod) birgt (Bild 16). Die Sgraffitoausschmückung stammt von 1580.
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Den Eingang zur Burg nimmt der Blick auf den Schlossturm (Bild 17) mit seiner Umfassung ein (Hradek = Schlösschen). Im dritten Burghof (Bild 18) hatten wir am Nachmittag auf den Beginn der Führung zu warten.
Von den oberen Durch- und Übergängen hatten wir einen herrlichen Blick auf die Stadt mit der gekrümmten Moldau (Krummau = gekrümmte Au!), die viele Paddler anzieht (Bilder 19, 19a,b, 20.). Am Bild 21 rastet die Gruppe samt Stadtführerin, die sich hier nach Durchqueren des 4. Schlosshofes verabschiedete. Bis zur Innenführung blieb noch genügend Zeit, den Schlossgarten zu besuchen. Bild 22 zeigt die dort befindliche Drehbühne (erstmals gedreht am 9.6.1958, entworfen und gebaut von Joan Brehms (1907-1995). Da es Mittag war, suchte die Gruppe ein Grillrestaurant (Bild 22a,b) auf (mit Ausschank von Eggenberger Bieren).
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Um 14.10 Uhr startete dann die Führung vom 3. Schlosshof aus, in dem wir noch ein bisschen warten mussten (Bild 23). Innen gab es wunderbare Räume mit kostbarem Inhalt. Hier trotz Fotografierverbot zwei Beispiele: Bild 23a die goldene Kutsche und Bild 23b der Maskensaal.
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Der Schlossgraben zwischen dem ersten und zweiten Schlosshof war durch Burggräben geschützt, in denen seit 1707 Bären gehalten werden (Bild 25,26). Heute sind es immerhin noch drei.
Wenn man den Schlossturm (urspr. 13. Jh.) besteigt, hat man einen hervorragenden Blick auf die „Obere Burg“ (Baubeginn 14. Jh., Abschluss 16. Jh. mit monumentaler Renaissanceresidenz). (Bild 27). Auch sonst genießt man (na ja, es waren nur vier aus der Gruppe) dort oben den Rundblick (Bilder 28-33). Einen besonders schönen Blick hat man von dort auf die umliegenden Renaissancebauten des Stadtviertels Latrán und natürlich auf den 1. Schlosshof (Bild 34) mit den noch erhaltenen Gebäuden des Salzamtes, Pferdestalles, Schüttbodens, der Apotheke usw.
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Da sich der Tag bereits neigte suchte ein Paar aus der Gruppe noch die von der Burg aus gesichtete ehemalige Synagoge (erbaut im neoromanischen Stil ca. 1920?, vgl. Bilder 35,36), die z.Zt. auf ihre Renovierung wartet. Eine jüdische Gemeinde gibt es dort nicht mehr.
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Da die Gruppe doch noch Lust hatte, ins Museum zu gehen, besuchten wir das Egon-Schiele(1890-1918)-Museum (Bild 40) mit seiner vorwiegend klassischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Leider waren die Picasso-Bilder bereits wieder abgehängt. Schade.
Nach dem Abendessen traf man sich wieder, um dann wegen eines drohenden Gewitters ein Kaffeehaus aufzusuchen und noch ein Eis oder alkoholische Mischgetränke (weißer Rum, brauner Rum und brauner Rum,...) zu sich zu nehmen. (Bild 16a,b). Ein schöner Abendausklang mit Spaziergang durch die Stadt, vorbei am Wachs-Museum (Bild 37), ein Renaissance-Gebäude, und mit einem letzten Blick auf die Moldau samt dem Schlossturm dahinter.
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Am Sonntag ging es nach dem Frühstück (Bilder 16c,d,e) nach Budweis zur Brauereibesichtigung (Bild 41). Interessant der artesische Brunnen, der das Brauwasser liefert (Bild 42) und die Braubehälter (Bilder 42a,b,c). Natürlich konnten wir auch das ganz frische Bier im 7° kalten Keller probieren (Bild 42d). Leider war die Abfüllanlage nicht in Betrieb (Sonntag!), so dass wir sie nur im Stillstand sehen konnten. (Bild 42e). Nach dem Mittagessen (da hatten wir uns mehr davon versprochen) und einem obligatorischen Selbstauslöserbild (Bild 43) fuhren wir Richtung Heimat.
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Weil die schöne Stadt Klattau (Klatovy) noch auf dem Weg lag und wir ohnehin dort noch tanken und etwas einkaufen wollten, besuchten wir kurz deren Marktplatz mit der Jesuitenkirche und dem berühmten Schwarzen Turm (erbaut 1547 von Antonio de Salla, siehe Bild 45 von der Schlossseite aus) mit Rathaus (2. Hälfte des 16. Jh., siehe Bild 44). Und natürlich hat es ein Teil sich nicht nehmen lassen, den den berühmtesten Klattauer Sehenswürdigkeiten zugezählten Katakomben der Jesuitenkirche, die momentan renoviert wird und daher nicht zugänglich war, einen Besuch abzustatten, um die dort aufgebahrten Mumien zu sehen. Die ersten Verstorbenen wurden hier schon in den 70er Jahren des 17. Jahrhunderts beigesetzt. Die Bestattungen in den Katakomben dauerten bis 1783, als Kaiser Josef II. die Beerdigungen in den Kirchen verbot. Die auf Hopfenranken ruhenden Leichen wurden durch ein raffiniertes System von Lüftungskanälen mumifiziert und damit vollständig erhalten (vgl. Bilder 45a,b). Die Mumien wogen nur etwa 10 kg und waren bei einer konstanten Temperatur und minimalen Feuchtigkeit in den unterirdischen Räumen praktisch unzerstörbar.
Leider ließ die Zeit keine weiteren Besichtigungen in Klattau zu. Wir fuhren anschließend wieder in unsere Heimat zurück, nachdem wir uns in einem Supermarkt allerdings noch mit etwas Verpflegung versorgt hatten.
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Und nun zum Geheimnis meines Wissens: Besucht doch ´mal die Seite
http://www.ckrumlov.cz/de/atlas/i_atlas.htm
Leider habe ich sie erst heute gefunden.
Sie ist ganz toll und liefert eine Menge schöner Bilder und präziser
Informationen.
Peter,
1.8.2005